Flexible Arbeitszeit – über Flexibilität und Möglichkeiten

Die Zeiten von starren Arbeitszeiten und Präsenzpflicht sind vorbei – spätestens die Corona Pandemie hat uns das klargemacht.  Wer ab jetzt den Wettkampf auf dem Arbeitsmarkt dominieren will, muss Mitarbeitenden Flexibilität und Selbstbestimmung schenken. Flexible Arbeitszeit ist hier die Lösung. Doch welche Möglichkeiten haben Arbeitgebende? Welche Modelle sind sinnvoll und was bringen sie mit sich?

WAS BEDEUTEN FLEXIBLE ARBEITSZEIT?

Die flexible Arbeitszeit beschreibt Arbeitsmodelle, in denen von der bisher gewohnten und weit verbreiteten Arbeitszeit von 9 bis 17 Uhr abgesehen wird. Um die Motivation zu steigern und eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen, bieten viele Arbeitgebende verschiedene Modelle der flexiblen Arbeitszeit an. Diese dienen dazu, Anreize zu schaffen, um Mitarbeitende langfristig an das Unternehmen zu binden und neue Talente anzuwerben.

Für die meisten (angehenden) Mitarbeitenden sind flexible Arbeitszeiten ein Kriterium ein Jobangebot anzunehmen oder abzulehnen, da die Flexibilität, die einem dadurch ermöglicht wird, beispielsweise Familie und Arbeit besser vereinen lässt. Außerdem hat man so die Möglichkeit, an einem ruhigen Tag auch mal ein bisschen weniger zu arbeiten und an anderen dafür mehr. Individualität und Flexibilität werden hier großgeschrieben.

Im Mai 2019 wurde vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass die gesamte Arbeitszeit systematisch erfasst werden muss1. Bisher war diese Kontrollmethode freiwillig, jedoch ist sie nun seit fast zwei Jahren verpflichtend. Diese Regelung zählt auch für flexible Arbeitszeitmodelle, wie beispielsweise der Gleitzeit oder dem Homeoffice2. Sie soll insbesondere vor unbezahlter Mehrarbeit schützen. Die Umsetzung dieser Regelung bleibt Unternehmen selbst überlassen (digitale Arbeitszeitkonten, Apps, Excel-Listen, analoge Listen etc.). Die einzige Bedingung ist: Es muss systematisch passieren.

WELCHE FLEXIBLEN ARBEITSZEITMODELLE GIBT ES?3 4

  • GLEITZEIT. Was versteht man unter Gleitzeit? Eins der wohl bekanntesten Modelle der flexiblen Arbeitszeit ist die Gleitzeit. Dabei bekommen Mitarbeitende einen gewissen Zeitraum (die Kernarbeitszeit) vorgegeben, in dem sie auf der Arbeit präsent sein müssen. Das bedeutet, keiner schreibt einem so ganz genau vor, wann der Arbeitstag zu starten und zu enden hat; vollkommene Flexibilität ist jedoch auch nicht gegeben. Oft liegt es daran, dass Unternehmen einen reibungslosen Ablauf für Kund:innen gewähren müssen. Die Kernarbeitszeit legt also einen Präsenzzeitraum fest sowie wann ein Arbeitstag frühestens anfangen darf und wann er spätestens endet. Meist wird bei dieser Methode mit einem digitalen Zeitkonto gearbeitet, um Plus- sowie Minusstunden akribisch zu dokumentieren. Wie viele beider Stunden die Mitarbeitenden sammeln dürfen, wird vertraglich festgehalten.

    Welche Vorteile hat Gleitzeit als Arbeitszeitmodell? Klare Vorteile sind die Eigenverantwortung und das Vertrauen, die einem entgegengebracht werden. Jedoch ist es für Unternehmen meist ein erhöhter Arbeitsaufwand, zu gewährleisten, dass die Arbeitsplätze zu gewissen Zeiten ausreichend besetzt sind.
  • TEILZEIT. Da bei Teilzeitstellen die maximale Wochenanzahl der Arbeitsstunden nicht erreicht wird, bietet auch dieses Arbeitszeitmodell Flexibilität in der Gestaltung der Stundenverteilung und sollte nicht außer Acht gelassen werden. Meist können sogar ganze Tage reduziert werden.

    Ist die Teilzeitarbeit ein sinnvolles flexibles Arbeitszeitmodell? Auf jeden Fall! Zwar müssen die Vorgesetzten einen klaren Überblick darüber behalten, wer, wann im Büro ist, jedoch scheint dies nur ein kleines Übel zu sein.
  • HOMEOFFICE. Allseits beliebt und durch Corona berühmt geworden: Beim Homeoffice wird es einem von den Arbeitgebenden meist freigestellt, an welchen Tagen man das Büro besuchen möchte und an welchen man lieber zuhause arbeitet. Die Tage sind jedoch meist geregelt, sodass sich Kolleg:innen und Vorgesetze darauf einstellen können, wann Mitarbeitende persönlich anzutreffen ist.

    Welche Vor-/Nachteile bringt das Homeoffice mit sich? Manch einen mag die Telearbeit produktiver werden lassen, andere werden eher in ihrem Ideenfluss gestört und können sich zuhause nicht gut konzentrieren. Zu welchem Typ die eigenen Mitarbeitenden gehören, sollte man im Vorhinein erkennen, um keinen Verlust der Arbeitsqualität zu erleiden. Im Homeoffice wird ein hohes Maß an Selbstorganisation und Disziplin verlangt und der direkte Kontakt zu Arbeitskolleg:innen bleibt aus. Jeder muss selbst entscheiden, ob diese Methode der flexiblen Arbeitszeit für einen geeignet ist.
  • JOBSHARING. Beim Jobsharing teilt man sich wortwörtlich einen Job. Zwei Arbeitnehmende können somit beispielsweise aus einer Vollzeitstelle, zwei Halbtagsstellen schaffen. Wie genau die Aufteilung der Aufgaben dabei aussieht, kann individuell abgesprochen werden.

    Was bringt Jobsharing? Auch hier kommt den Arbeitnehmenden eine flexible Arbeitszeit zugute. Jedoch verlangt das Jobsharing eine exakte und ständige Absprache aller Parteien, denn zielführend arbeiten kann nur der, der alle Informationen vor sich liegen hat. Das Teilen dieser Informationen bringt einen erheblichen Aufwand mit sich und verlangt die Einkalkulierung von ausreichend Koordinationszeit.
  • VERTRAUENSARBEITSZEIT. Hier basiert alles – wie der Name schon verrät – auf gegenseitigem Vertrauen. Im Endeffekt gibt es bei diesem flexiblen Arbeitszeitmodell keinerlei feste Arbeitszeiten, an dem eine Präsenz im Büro erforderlich ist. Vorgesetzte legen ausschließlich Ziele und Aufgaben fest, die zu bestimmten Deadlines erledigt sein müssen und verlassen sich anschließend darauf, dass diese auch eingehalten werden. Wie die anfallenden To Do’s dabei erledigt werden, bleibt den Mitarbeitenden überlassen.

    Ist Vertrauensarbeit zielführend? Verlangt ein Job extreme Selbstständigkeit, wie beispielsweise bei rein projektbasierten Arbeiten, so kann Vertrauensarbeitszeit durchaus sinnvoll sein. Jedoch sind guter Teamgeist und Zusammenhalt gefragt, denn das System funktioniert nur, wenn sich jeder auf den Einsatz des anderen verlassen kann. Hier gilt: Communication is key. Es muss anständig miteinander kommuniziert werden, denn ansonsten führt die Vertrauensarbeitszeit nur zu ungewollter Mehrarbeit der anderen Mitarbeitenden.
  • FUNKTIONSZEIT. Das flexible Arbeitszeitmodell der Funktionszeit leitet sich ursprünglich von der Gleitzeit ab. Man bezeichnet es auch als variable Arbeitszeit, wobei sich ein gesamtes Team die Arbeitszeiten so einteilen kann, wie es allen am besten passt. Im Gegensatz zur Gleitzeit gibt es hier keine Kernzeit, die eingehalten werden muss. Auch die Gestaltung der freien Tage und Urlaubstage obliegt ausschließlich dem Team.

    Bringt die Funktionszeit ein Team voran? Um zielführend mit diesem Modell der flexiblen Arbeitszeit arbeiten zu können, muss ein harmonierendes Team vorhanden sein. Alle müssen ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber den anderen Teammitgliedern sowie der zu leistenden Arbeit besitzen. Ein Nachteil ist jedoch, dass die Vorgesetzten durch die Autonomie des Teams nie genau sicher sein können, wen sie im Büro zu welchem Zeitpunkt antreffen können.
  • JAHRESARBEITSZEIT. Wie der Name schon verrät, geht es bei diesem Modell darum, eine gewisse Stundenzahl im Jahr zu leisten. Die Arbeitszeit der einzelnen Tage und Wochen obliegt also jedem selbst – was am Ende zählt, ist die gesamte Zeit der geleisteten Arbeit bei Jahresabschluss.

    Ist das neue Modell der Jahresarbeitszeit hilfreich? Für Arbeitnehmende scheint es auf den ersten Blick so, als gäbe es kaum etwas zu meckern. Jeden Tag des Jahres selbst einteilen können, so wie es heute passt? Klingt nach einem Traumjob. Jedoch greifen Arbeitgebende oft auf dieses Modell zurück, wenn insbesondere saisonale Schwankungen auszugleichen sind. Ist die Saison gerade auf dem Höhepunkt, wird den Arbeitnehmenden alles abverlangt was nur geht. In ruhigeren Phasen bleibt das Gehalt zwar gleich und es wird mehr Freizeit eingeräumt, jedoch bringt der ständige Wechsel von Überanstrengung und Entspannung eine enorme Belastung für Arbeitnehmende mit sich.

WARUM SIND FLEXIBLE ARBEITSZEITEN WICHTIG?

Bewiesenermaßen sind Mitarbeitende, die flexible Arbeitszeit genießen, deutlich zufriedener als Mitarbeitende, denen diese Flexibilität nicht entgegengebracht wird. Sie bauen weniger arbeitsbedingten Stress auf und scheinen deutlich motivierter zu sein. Für Arbeitgebende bedeutet das: Gesteigerte Produktivität, bessere Ergebnisse und weniger Fehlzeiten5.

Außerdem wirken Unternehmen, die flexible Arbeitszeitmodelle anbieten, um einiges attraktiver für zukünftige Talente. Außerdem wird somit die Langlebigkeit der Mitarbeitenden im Unternehmen gefördert, was bedeutet, dass sie dem Unternehmen durchschnittlich länger treu bleiben.