Micromanagement – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Wer kennt es nicht, wenn man das Gefühl hat, die Vorgesetzten haben einen heute einmal mehr als nötig kontrolliert oder verbessert? Schnell setzt ein Gefühl von „dann machen Sie es doch einfach selbst, wenn Sie es besser können“ ein. Ab und an gehört das sicherlich dazu. Beschreibt diese Situation jedoch einen Dauerzustand, so reden wir von Micromanagement. Doch was genau ist Micromanagement? Ab wann spricht man von Micromanagement und wie reagiert man, wenn dies der herrschende Führungsstil auf der Arbeit ist?

Was bedeutet Micromanagement?

Die Micromanagement Definition beschreibt ein Führungsverhalten, welches stark von extremer Detailorientierung sowie fehlendem Vertrauen in Teammitglieder geprägt ist1.

Eine gewisse Detailverliebtheit mag von Vorteil sein und ist in Maßen auch sicherlich förderlich für ein Unternehmen, jedoch überschreiten Micromanager dieses Maß2. Sie haben den zwanghaften Wunsch nach Kontrolle und wollen am liebsten alles alleine machen3. Ob es um komplexe oder banale Aufgaben geht, sie sind der festen Überzeugung diese eigentlich besser erledigen zu können als ihre Angestellten. Sie tun sich also mit dem Delegieren schwer, wodurch sich die Tasks auf dem eigenen Schreibtisch immer weiter ansammeln, da eine einzelne Person kaum mithalten kann, wenn sie die Aufgaben eines ganzen Teams erledigen möchte4. Dieser Aufgabenberg sorgt dafür, dass Micromanager aufgrund der selbst auferlegten Aufgaben eine Schwierigkeit entwickeln, die Vielfalt der Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit zu priorisieren5 – förderlich klingt das nicht. Ihr Bedürfnis nach extremer Kontrolle lässt sich oft von der Persönlichkeit ableiten6. Micromanager sind meist Personen, die penibel auf Ordentlichkeit achten7, ständig über alles informiert sein müssen und perfektionistische Züge aufweisen8 – schließlich finden sie immer etwas an der Arbeit anderer zu meckern.

Was sind Anzeichen für Micromanagement? Und welche Auswirkungen bringt es mit sich?

Micromanager meinen oft, ihren Mitarbeitenden bis ins kleinste Detail sagen zu müssen, wie sie ihre Aufgaben zu erledigen haben – nur um sie dann im Endeffekt doch selbst zu erledigen. Meistens denken Micromanager, ihre Mitarbeitenden seien nicht dazu in der Lage, die Aufgabe auf demselben Niveau lösen zu können9. Steve Jobs sagte dazu: „It doesn’t make sense to hire smart people and then tell them what to do. We hire smart people so they can tell us what to do10. Und damit hat er Recht! Denn weshalb stellt man Mitarbeitende ein? Da man erstens zu viele Aufgaben hat, um sie selbst zu erledigen und zweitens, weil man von dem entstehenden Wissenszuwachs und -transfer nur profitieren kann.

Von Micromanagern werden außerdem oft Überstunden erwartet11, andersherum werden jedoch ganz penibel die Minuten der Arbeitszeit gezählt12. Es wird also von einem erwartet, wenn es notwendig ist, länger zu bleiben. Muss das Büro jedoch mal ein paar Minuten früher verlassen werden – aus welchen Gründen auch immer – so wird dies kritisch gesehen oder gar nicht erst gestattet, schließlich ist es ja Arbeitszeit. Man kann es den Vorgesetzten mit Micromanagement Führungsstil also nie recht machen13.

Außerdem sind sie solche – überspitzt gesagt – Kontrollfreaks, dass sie sich über Hierarchiegrenzen hinweg in die Arbeit anderer einmischen14. Denn, Delegation heißt bei Micromanagern meistens, die wichtigen Arbeiten landen auf dem eigenen Schreibtisch und das, wo man nichts falsch machen kann, können auch die Angestellten erledigen15. Weitere Anzeichen für Micromanagement im Unternehmen sind das ständige Erkundigen darüber, wer, was, wann erledigt; das fast schon penetrante Bedürfnis, jeden Ablauf bis ins kleinste Detail selbst zu verstehen; die Anrufe spät abends oder während des Feierabends über den aktuellen Stand der Dinge und schlussendlich der Satz „aber packen Sie mich bitte in CC“16.

Doch all diese Verhaltensweisen kombiniert führen zu schwerwiegenden Problemen im Team17. Insbesondere die Arbeitsatmosphäre leidet nachhaltig unter einem solchen Verhalten, da das Gefühl entsteht, die Vorgesetzten würden es einem nicht zutrauen, die Aufgaben kompetent zu lösen18. Das führt dazu, dass die Arbeitsmoral auf „nine-to-five“ schaltet19 und aus Angst vor Fehlern, Innovation sowie die Übernahme von Verantwortung ausbleiben20. Die Folgen: Misstrauen, Stagnation und Frustration21 – dabei ist Vertrauen der Grundstein für New Work22.

Micromanagement im Unternehmen ist nicht nur eine Gefährdung für die eigene Karriere23, sondern zieht meist die Konsequenz mit sich, dass Mitarbeitende das Unternehmen schneller und unzufriedener verlassen, was zu einer negativen Employer Brand führt24. Dabei heißt gute Führung doch, andere dazu zu befähigen und zu ermutigen, Ziele zu erreichen und gemeinsam Strategien zu entwickeln, um diese in die Tat umzusetzen25.

Wie gehe ich mit Micromanagement um?

Meist sieht man das Micromanagement jedoch nur aus einer Sichtweise – der eigenen. Sind Sie die leidende Partei der Mitarbeitenden, so haben Sie kein Verständnis für die Handlungsweisen Ihrer Vorgesetzten. Doch es sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass auch Vorgesetzte eine enorme Belastung aus diesem Verhalten ziehen – schließlich verstehen sie auch nicht, wieso keiner der Teammitglieder eine befriedigende Arbeit abliefern kann.

Die Auswirkungen auf die Vorgesetzten reichen von überfüllten Schreibtischen und zu vielen (selbst auferlegten) ToDo’s, über den Verlust des ganzheitlichen Blicks noch zu erledigender Aufgaben, bis hin zu gesteigertem Stress – Burnout Gefahr!26

Doch auch das Team kann persönliche Auswirkungen von Micromanagement nicht leugnen. Das gesamte Team verlässt sich also (zwangsweise) auf eine einzelne Person, was dazu führt, dass sie als Gruppe keine Eigenständigkeit entwickeln. Aus Angst, schon wieder die falsche Entscheidung zu treffen, werden innovative Ideen schnell wieder heruntergeschluckt und das Gehirn arbeitet auf Sparflamme. Bloß keine Fehler machen! Diese Arbeitsweise kostet nicht nur Nerven, sondern auch Zeit. Schließlich arbeiten viele Hände schneller als zwei.27 Was wäre also besser für das Unternehmensklima? Micromanagement vermeiden.

Fällt es einem auf, dass Kolleg:innen oder Vorgesetzte ihr Team mit Micromanagement führen, sollte man genauer hinschauen. Ist dieses Verhalten ständig so oder könnte es an der besonderen Wichtigkeit eines einzelnen Projektes liegen? Könnte die Person mit ihrem Verhalten recht haben? Also, wird die Arbeit tatsächlich unbefriedigend abgeliefert? Hier sollte man an die eigene Selbstreflexion appellieren. Oft hilft es schon, den Micromanagern einfach einen regelmäßigen, kurzen Statusbericht zu geben, um ihre Nerven zu beruhigen. Außerdem: Communication is key! Hinterfragen Sie, sprechen Sie darüber und bereden Sie die Situation in einem vier-Augen-Gespräch, um zu klären was Sie stört und wie man die Situation vielleicht entschärfen könnte.28

Was tun gegen Micromanagement?

Im Endeffekt muss jede Führungskraft selbst entscheiden, wie sie ihr Team führen möchte. Doch klar ist, gute Führung bedeutet, das Team eigenständig arbeiten zu lassen und Innovation zu fördern.29

Quellen

[1][6][8] https://www.personio.de/blog/micromanagement/

[2][3][4][15][16][26][27][29] https://projekte-leicht-gemacht.de/blog/pm-in-der-praxis/bist-du-ein-micromanager/

[5][7][28] https://onlinemarketing.de/karriere/bueroalltag/micromanagement-chef-6-tipps-was-du-tun-kannst

[9][13][14][17][18][20][21][23][25] https://www.experteer.de/magazin/micromanagement-kontrolle-ist-gut-vertrauen-ist-besser/amp/

[10][11][12][19][22][24] https://www.reif.org/blog/micromanagement-killt-ihre-kultur/