WOL – Working Out Loud!

Aus Laughing Out Loud (LOL) wird Working Out Loud (WOL)! Wer in der heutigen Wirtschaft vorne mit dabei sein möchte, muss sich in den Bereichen Agilität und Aktualität beweisen. Um die eigene Arbeitsweise im Unternehmen neuzugestalten, gibt es daher das WOL Prinzip. Working Out Loud ist die neue Devise – Arbeit sichtbarer machen; Arbeit menschlicher machen. Es geht darum, Wissen zu teilen, anstatt es zu horten. Denn Wissen ist bekannterweise Macht! Unternehmen wie Bosch, Daimler und Siemens haben die WOL Methode bereits im Unternehmen implementiert und setzen somit auf eine offene Arbeitshaltung. Doch wie sieht diese genau aus? Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag mit Working Out Loud? Und was soll die neue Methode im Unternehmen verändern?1

Was bedeutet WOL (Working Out Loud)?

Die generelle Nutzung der Sozialen Medien und das Bloggen nehmen nicht nur in unserer Freizeit an Bedeutung zu. Auch in der Arbeitswelt wird der Austausch von Wissen und Informationen wichtiger – ein fachlicher Austausch auf breiter Ebene2. Doch war es nicht bisher immer so, dass das interne Wissen eher gehütet als mit anderen geteilt wurde? Ja, das soll sich jedoch mit der WOL Methode ändern. Von geteiltem KnowHow könnten somit zukünftig alle profitieren.

Working Out Loud ist ein 12-wöchiges Selbst-Lern-Programm, bei denen Mitarbeitende in Kleingruppen lernen, wie sie Beziehungen aufbauen und diese sinnvoll nutzen können – im privaten sowie im beruflichen Sinn. In der vorhergesehenen Zeit werden dabei vordefinierte Übungen durchlaufen, welche das Ziel verfolgen, die Verbundenheit und das Vertrauen innerhalb des WOL Circles zu verstärken.

Doch was ist ein WOL Circle? Dieser beschreibt eine ausgewählte Kleingruppe, bestehend aus meist drei bis sechs Mitgliedern, welche vorzugsweise aus unterschiedlichen Abteilungen des Unternehmens kommen. Jedes Mitglied formuliert dabei in Woche null ein persönliches Ziel, welches mithilfe von Motivationsimpulsen und kreativer Zusammenarbeit erreicht werden soll. Alle WOL-Aktivitäten verfolgen den Zweck, die persönlichen sowie beruflichen Absichten zu verwirklichen.3

Die ursprüngliche Idee dahinter stammt aus dem Jahre 2010 von dem IT-Spezialisten Bryce Williams. Seine Idee war es, eine Wissenstransparenz zu schaffen, indem Menschen über ihre Arbeit offen berichten, und zwar über Blogs und Social Media. Es geht also wortwörtlich darum, LAUT und für andere hörbar zu arbeiten.4

Aufgrund dieser Idee hat John Stepper die Working Out Loud Methode entwickelt, um die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit zu verbessern und somit ein zielgerichtetes Arbeiten zu unterstützen. Mithilfe seiner Methode soll es Firmen ermöglicht werden, soziale Beziehungen innerhalb der Belegschaft zu fördern und ein wachstumsorientiertes Denken zu etablieren. Dabei sollen insbesondere soziale und digitale Kompetenzen erweitert und, durch die Nutzung von Social Media, die eigene Sichtbarkeit erhöht werden.5

Wie funktioniert die Working Out Loud Methode?6

Der Working Out Loud Circle fungiert als eine Art Peer-Coaching-Gruppe und lebt von seiner Diversität. Denn wie bereits erwähnt, erzielt man den größten Lerneffekt, wenn viele verschiedene Fachbereiche in einer solchen Gruppe aufeinandertreffen. Zusammen mit dem ausgewählten WOL Circle werden 12 Wochen lang regelmäßige 60-Minuten Meetings abgehalten, wodurch die persönlich definierten Ziele erreicht und neue Ideen gesammelt werden können.

Bevor ein solches Ziel definiert wird, sollten sich alle Teilnehmenden darüber im Klaren sein, ob das Ziel wichtig genug ist, um es 12 Wochen lang intensiv zu verfolgen; ob der Zeitraum ausreicht, um Fortschritte zu erzielen; und ob der Circle bei der Erreichung des Ziels hilfreich sein kann. Sind alle diese Kriterien erfüllt, so eignet sich das auserwählte Ziel für die WOL Methode.

Inhalt der 12-wöchigen WOL Meetings:

  1. Formulierung eines konkreten Ziels und Erstellung einer Kontaktliste mit Personen, die in Verbindung zu diesem Ziel stehen
  2. Erste Kontaktaufnahmen und Angebote von eigenen Beiträgen für andere
  3. Kleine Schritte machen und Netzwerke nutzen
  4. Aufmerksamkeit erzeugen
  5. 50 sehr persönliche Fakten innerhalb des Circles austauschen
  6. Sichtbarkeit via Social Media aufbauen
  7. Zwischenbilanz und Nachjustieren
  8. Gewohnheiten stärken
  9. Wissensquellen mit Top Ressourcen für die Zielerreichung
  10. Systematik etablieren
  11. Ganzheitliches Denken und Vervielfältigung der Möglichkeiten
  12. Reflektieren und Feiern

Wie sehen die Working Out Loud Ziele aus?

Hauptsächlich geht es beim Working Out Loud um verbesserte Zusammenarbeit, ein dynamischeres Gruppenverhältnis und einen gemeinsamen Austausch von Ideen und Lösungen. Während der regelmäßigen Zusammenarbeit baut sich somit ein neues Netzwerk auf, welches ebenso einen Wissenstransfer ermöglicht.7 WOL verfolgt also das Ziel, in langfristige Beziehungen zu investieren und die Effektivität der teilnehmenden Mitarbeitenden zu verbessern.8 Vermehrte Beziehungen innerhalb des Unternehmens tragen nämlich unter anderem zu einem gesteigerten Gefühl von Kontrolle, Kompetenz und Verbundenheit bei. Wer mehr Leute im Unternehmen kennt, weiß sich auch bei Problemen besser zu helfen, da eine gewisse Gemeinschaftlichkeit vorhanden ist.9 Die Resultate bestehen aus gesteigerter Motivation, mehr Agilität, höherer Innovation und besserer Zusammenarbeit im Unternehmen.10

Dabei setzt die Methode auf verschiedene Prinzipien, die zur Erreichung der Ziele beitragen sollen: 11

  • Relationships.
    Alle bringen sich in den Meetings bestmöglich ein. Ständiger Wissensaustausch. Beziehungen aufbauen. Ein aktives Netzwerk kreieren.
  • Generosity.
    Wissensaustausch ohne die Erwartung von Gegenleistungen. Nur wer hier bedingungslos teilt kann profitieren.
  • Visible Work.
    Ruf und Selbstdarstellung sind Nebensache. Zusammenhänge erklären. Die eigene Arbeit für andere sichtbar und verständlich machen.
  • Purposeful discovery.
    Wie können Ziele erreicht werden? Verhalten anpassen.
  • Growth Mindset.
    Über den eigenen Tellerrand hinausschauen – offen für Neues sein. Kreative Wege einschlagen. Working out of the comfort zone.

Wie kann also Working Out Loud das Personalwesen verändern? Zuallererst müssen Recruiter:innen, die im Active Sourcing tätig sind, ein gewisses Maß an Empathie vorweisen können. Es muss ihnen möglich sein, sich in gewisser Art und Weise in andere hineinzuversetzen – eine Fähigkeit, die mit WOL gestärkt wird.

Weiterhin sollten Unternehmen den Blickwinkel auf die eigene Personalsuche verändern. Wird ein neues Talent auf einer bestimmten Position benötigt, so muss man sich nicht ausschließlich auf den externen Arbeitsmarkt konzentrieren, sondern sollte ebenfalls einen Blick auf interne Möglichkeiten werfen. WOL hilft dabei, Talente im Unternehmen sichtbarer zu machen und Upskilling Maßnahmen zu ermöglichen. Somit kann ebenfalls langfristig zum Talentmanagement beigetragen werden.

Außerdem kann WOL als Booster im Onboarding fungieren. In dieser Phase des Employee Life Cycle Managements ist es für Betroffene wichtig, sich schnell ein Beziehungsnetzwerk aufzubauen, um sich im neuen Umfeld wohlzufühlen. Nur so können Wissen, Vertrauen und Zugehörigkeit ausgebaut und verbessert werden.

Ein letzter und nicht unerheblicher Punkt ist das Employer Branding. Wenn alle Mitarbeitenden sichtbarer werden und ihr Wissen transparent teilen, so gewinnt auch das Unternehmen an positiver Sichtbarkeit via Social Media.12

Welche Vor- und Nachteile hat der WOL Circle Guide? 13 14

Viele Vorteile wurden bereits genannt. Doch WOL bringt nicht nur Unternehmen nach vorn, sondern insbesondere die Circle-Mitglieder. Diese erlernen wichtige neue Kompetenzen, wie zum Beispiel das selbstständige Suchen nach Lösungen und eine offene Einstellung gegenüber unkonventionellen Herangehensweisen. Diese kommen insbesondere dadurch zum Einsatz, dass der Circle aus einer kleinen Runde besteht, welche eine geschützte Atmosphäre bietet, um auch neue Sachen auszuprobieren und Risiken einzugehen. In diesem safe space erhalten sie außerdem unmittelbares und ehrliches Feedback, was ebenso zur Stabilisierung einer langfristigen Beziehung unter den Teilnehmenden beiträgt.

Weiterhin hat das WOL Prinzip für Teilnehmende sowie Unternehmen den Vorteil, dass durch ein ausgeglichen verteiltes KnowHow eine Fehlerminimierung erzielt werden kann.

Doch auch Working out Loud ist keine perfekte Methode, um von heute auf morgen Arbeitsbedingungen sowie Ergebnisse zu perfektionieren. WOL dient lediglich als Unterstützung und ist nicht die herbeiersehnte Lösung aller Personalprobleme – die Methode besitzt schließlich keinen systematischen Einfluss auf generelle Unternehmensstrukturen.

Außerdem beruht die Teilnahme auf Freiwilligkeit, denn wird die Teilnahme von oben vorgeschrieben, so kann es gut passieren, dass das Outcome ein anderes ist als geplant. Weiterhin sind die erzielten Ergebnisse nicht eindeutig messbar, wie beispielsweise Fehlzeiten von Mitarbeitenden. Ferner muss eine große Motivation seitens der Teilnehmenden vorhanden sein und, da die Methode von einem persönlichen Austausch und direktem Feedback lebt, eignet sie sich meist eher für extrovertierte und kreative Persönlichkeiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anpassung der vorhandenen Unternehmenskultur. Oft ist diese in Unternehmen noch altmodisch angehaucht und das hinzugewonnene Wissen über vernetztes Arbeiten wird nicht vollständig angenommen. Dies wiederum frustriert ehemalige Teilnehmende der Working Out Loud Methode, da sie die neu erlernte Art der Zusammenarbeit nicht umsetzen können und ihr Aufwand der Teilnahme nicht ausreichend wertgeschätzt wird.

Es wird also deutlich, dass eine korrekte und vollständige Umsetzung der WOL Methode zu vielen Vorteilen und neuen Kompetenzen führen kann, wenn das gesamte Unternehmen diese Methode in die Kultur aufnimmt und respektiert. Geschieht dies nicht, so kann auf eine Teilnahme verzichtet werden. Insbesondere für jüngere Unternehmen und Personaler:innen könnte diese Methode der neuen Zusammenarbeit jedoch große Vorteile bringen. Denn Innovation ist ein ständiger Prozess, der nicht allein bewerkstelligt werden kann.

Quellen

[1][2][11][13][14] https://karrierebibel.de/working-Out-loud/

[3][4][5][6][12] https://persoblogger.de/2021/04/15/wol-working-Out-loud-im-personalmarketing-und-recruiting

[8][9][10] https://workingOutloud.com/de/abOut