Upskilling – Digitalisierung und neues Lernen

Upskilling – ein Buzzword, das vielleicht nicht allen bekannt ist, jedoch in der Personalwirtschaft stetig an Bedeutung gewinnt. Durch die Transformation of Workforce und die voranschreitende Globalisierung gibt es heute Jobs, an die vor 10-20 Jahren nicht einmal zu denken war1. Wer hätte im Jahr 2000 schon gedacht, dass man als Privatperson mit Selfies im Internet reich und berühmt werden kann? Insbesondere in der Wirtschaft ist dieser rasante Wandel spürbar und Unternehmen sowie Angestellte haben kaum eine andere Wahl, als sich der Umgestaltungen anzunehmen und sich dieser anzupassen – die Motivation nach Veränderung ist gefragt2! Kein Wunder also, dass Themen wie Upskilling und Reskilling aufkommen. Aber was genau bedeuten beide Begriffe? Wieso ist Upskilling für Unternehmen von Vorteil und wie hat Corona das Thema bisher beeinflusst?

Was bedeutet Upskilling?

Upskilling bedeutet auf Deutsch „Weiterqualifizierung/ Weiterbildung/ Kompetenzverbesserung“3. Also wieder mal nur ein englischer Begriff für ein traditionell deutsches Wort? Jein. Upskilling bezieht sich, im Gegensatz zum traditionellen Lernen und Weiterbilden, rein auf den Output vom Lernen, also die Fähigkeiten, die hinzugewonnen werden. Weiterhin liegt dem Upskilling die Annahme zugrunde, dass Menschen den ganzen Tag lang lernen. Wir werden non-stop von Einflüssen umgeben, die für uns einen Wissenszuwachs bedeuten. Beim Upskilling spricht man also nicht rein von schulischer/ universitärer Weiterbildung, sondern ebenfalls von Webinaren, Podcasts, Radiosendungen, Zeitungen etc.

The future doesn’t care how you become an expert4. Der Digitalisierung geschuldet muss also umgedacht werden, denn Upskilling könnte der Schlüssel für die Zukunft des Arbeitsplatzwachstums werden5. Wenn aufgrund von Maschinen manche Berufe wegsubstituiert werden, kann das Upskilling dabei helfen, neue Kompetenzen innerhalb der eigenen Rolle zu entwickelt, um in Zusammenarbeit mit neuen Technologien eine effizientere Durchführung der ursprünglichen Tätigkeit zu ermöglichen6. Es würde sich also nicht die gesamte Tätigkeit ändern (Jobwechsel), sondern ausschließlich der Schwerpunkt dieser7. Man könnte Upskilling also als Upgrade vorhandener Fähigkeiten ansehen.

Personalabteilungen fungieren hierbei als Schnittstelle und koordinieren die strategische und operative Durchführung der Upskilling-Initiativen8.

Was ist Reskilling?

Bei Reskilling hingegen dreht es sich um das allseits bekannte umschulen von Fähigkeiten. Man erlernt also eine grundlegend neue Tätigkeit – dem eigenen Interesse oder wirtschaftlichen Folgen geschuldet9. Reskilling, auch Sideskilling genannt, dient demnach dazu, im Unternehmen die vorhandenen Potenziale weiterhin einsetzen zu können, selbst, wenn die ursprünglichen Stellen nicht mehr vorhanden sind10. Wird eine Stelle beispielsweise durch eine Maschine/ Technologie ersetzt, das Unternehmen möchte die Person, dessen Stelle substituiert wurde, jedoch nicht entlassen, so schlägt das Unternehmen Reskilling-Methoden vor11. Es wird also eine neue Tätigkeit gesucht und die Person dementsprechend umgeschult.

Wie unterscheidet sich Upskilling zum traditionellen Lernen?

Upskilling/ Reskilling kommt hauptsächlich im globalen Business Umfeld vor. Da die Welt sich schneller verändert und der technologische Wandel schneller als erwartet voranschreitet, kommen Mitarbeitende nicht umher, sich mit Weiterbildungsmöglichkeiten oder Umschulungen zu beschäftigen. Das war jedoch schon immer so – heutzutage hat sich jedoch die Frequenz erhöht.12

Wie hat sich das Messen von Lernerfolgen verändert?

Bei all den Veränderungen und Umstellungen kommt natürlich die Frage auf: Lassen sich Lernerfolge mithilfe von Upskilling und digitalen Technologien besser nachvollziehen und messen als früher?13

Schickte man früher seine Mitarbeitenden auf Weiterbildungen, so hat man im Nachhinein oft mithilfe von Tests und Umfragen versucht zu messen, wie viel Wissenszuwachs nachweisbar ist und ob sich diese Maßnahme für zukünftige Mitarbeitende ebenfalls lohnen würde. Heutzutage wird diese Methode der Nachverfolgung als zu eindimensional angesehen. Mittlerweile gibt es ganze Unternehmen, die sich auf Upskilling und die anschließende Nachverfolgung des Wissenszuwachses spezialisiert haben. Man beschreibt die erlernten Fähigkeiten als multi-faceted (dt. vielseitig, facettenreich), da es verschiedene Input-Bereiche gibt, die betrachtet werden müssen.

  • Was wurde erlernt?
  • Wie wurde es erlernt?
  • Von wem wurde es erlernt?
  • Wie wird es praktiziert?
  • Wo wird es praktiziert?
  • Auf welchem Niveau wird es praktiziert?

Mit der Beantwortung all dieser Fragen erhofft man sich Ergebnisse mit praxisbezogener Basis, um zunehmend wichtigere skills (dt. Fähigkeiten) herausfiltern zu können. Sind verschiedene Skills identifiziert, welche für das Unternehmen zukünftig von besonderer Wichtigkeit sind, so kann dementsprechend gehandelt und das Personal weitergebildet werden. Wichtig hierbei ist: Upskilling hat nur einen nachhaltigen Effekt, wenn man die Erfolge messen, beobachten und beeinflussen kann14 – schließlich investieren Unternehmen selten Geld in ihre Mitarbeitenden, ohne selbst Vorteile daraus zu ziehen.

Was sind die aktuell wichtigsten Skills?15

Es gibt verschiedene Studien, die erforschen, welches Land global gesehen mit welchen Skills glänzen kann. Weltweit lässt sich sagen, dass Bildung zu einem Problem geworden ist. Viele EU-Initiativen engagieren sich in diesem Bereich, da sie die Überzeugung vertreten, dass Bildung nicht an die Globalisierung angepasst wurde. Die schulische und universitäre Bildung bereitet einen also nicht mehr optimal auf das Arbeitsleben vor. Dies liegt unter anderem daran, dass Bildung als ein Produkt angesehen wird, welches über die Jahre um ca. 1600% teurer geworden ist, ohne, dass sich dieses Produkt nennenswert weiterentwickelt hat16. Man spricht von der sogenannten Skills Shortage, also der Knappheit an Fähigkeiten.

Unter diese Knappheit fallen insbesondere Fähigkeiten, welche die Bereiche Innovation, Kollaboration, Entwicklung neuer Consumer Experiences und Wachstum/ Realisierung neuer Wachstumsmöglichkeiten betreffen. CEOs weltweit sehen das Bildungsproblem als wirtschaftliche Priorität an.

Aktuell gibt es vier Upskilling-Fähigkeiten, welche weltweit am meisten geschätzt und benötigt werden:

  • Advanced IT and Programming Skills
  • Leadership and Management
  • Communication and Negotiation
  • Entrepreneurship and Initiative Taking Skills

Diese Fähigkeiten sind insbesondere aufgrund der vermehrten und dichteren globalen Vernetzung notwendig geworden. Auch länderspezifisch wurden Skills herausgearbeitet, in denen einzelne Länder glänzen können. Als Deutschlands aktuell wichtigste Skills gelten:

  • Leadership and Managing Others
  • Advanced Communication and Negotiation
  • Advanced IT and Programming Skills
  • Creativity

Es wird also immer wichtiger, unterschiedliche Fähigkeiten in Unternehmen zu vertreten, um so eine Vielseitigkeit an Talenten aufbauen zu können. Weitere an Bedeutung zunehmende Fähigkeiten sind17:

  • Analytisches Denken und Innovation
  • Aktives Lernen und Lernstrategien
  • Kreativität, Originalität und Eigeninitiative
  • Technologiedesign und -programmierung
  • Kritisches Denken und Analysieren
  • Komplexe Problemlösungsstrategien
  • Führung und sozialer Einfluss
  • Emotionale Intelligenz

Wie beeinflusst Corona das Upskilling?18

Natürlich hat auch Corona einen nachweislichen Einfluss auf digital Upskilling, da jede Krise in der Vergangenheit einen Einfluss auf die Menschheit und die Wirtschaft hatte. Plötzlich wurden viele vor die Frage gestellt: Was kann ich aktuell leisten und was wird davon zukünftig noch benötigt? Arbeite ich effizient? Kann ich mich in meinem Tätigkeitsbereich weiterentwickeln? Ist mein Job krisensicher?

Aus einer Studie geht hervor, dass 60% der Befragten ausgesagt haben, dass Corona die Notwendigkeit beschleunigt hat, neue Skills zu erlernen – denn für berufliche Veränderung braucht es meist neues Wissen. Paradox zu sehen ist es jedoch, dass trotz der steigenden Notwendigkeit während der Corona Pandemie, die tatsächliche Realisierung von Upskilling Angeboten in Deutschland abgenommen hat. Dies zeigt, dass es in Deutschland noch immer bevorzugt wird, in Präsenz zu lernen und viele sich gegen digitale Weiterbildungsmöglichkeiten wehren – die Digitalisierung des Lernens ist bei uns noch nicht ausreichend verbreitet. Aus einem Bericht von McKinsey & Company geht hervor, dass Unternehmen, die während der Pandemie Upskilling/ Reskilling Initiativen durchgeführt haben, gestärkt aus der Krise hervorgehen können19.

Wieso ist Upskilling für Unternehmen vorteilhaft?

Kurz gesagt ist Upskilling der Prozess des kontinuierlichen Lernens neuer Fähigkeiten, der Angestellte effektiv für neue und aufstrebende berufliche Rollen weiterentwickelt20. Besitzt ein Unternehmen also eine fortschrittliche Upskilling-Personalentwicklung, so ist dies von großem Nutzen für den wirtschaftlichen Vorteil – schließlich ist es günstiger, vorhandene Talente umzuschulen als neue einzustellen und anzulernen21.

Insbesondere digital Upskilling dient dazu, den Mitarbeitenden dabei zu helfen, in ihrem Unternehmen eine qualifiziertere Aufgabe übernehmen zu können, ohne sich dabei an ein neues Umfeld gewöhnen zu müssen. Bekommen sie diese Chance, so steigert sich das Gefühl der Zugehörigkeit und des Selbstwertes, was in den meisten Fällen für eine langfristige Unternehmensbindung sorgt.22  Außerdem steigert vielseitig geschultes Personal die Effektivität des gesamten Teams und ist im Endeffekt nicht nur kostengünstiger, sondern bereichert ebenso das gesamte Unternehmen23.

Um die herrschende vierte industrielle Revolution angehen zu können, ist eine Unternehmenskultur des kontinuierlichen Lernens erforderlich24. Es geht darum, eine Balance zu schaffen, zwischen dem Bedürfnis nach Individualisierung und Standardisierung25. Dies ist insbesondere in Zeiten wichtig, in denen Unmengen an Wissen frei über das Internet verfügbar sind und heute noch neue Erfindungen, morgen schon überholt sein können. Es geht darum, sich agil und anpassungsfähig im Arbeitsmarkt aufhalten zu können26, da Technologie weiterhin die treibende Kraft für Veränderungen in der Wirtschaft sowie der Gesellschaft sein wird27. Upskilling und Digitalisierung sind also eine kontinuierliche Aufgabe – ein dynamisches Zusammenspiel.

QUELLEN

[1] http://reports.weforum.org/future-of-jobs-2016/chapter-1-the-future-of-jobs-and-skills/

[2][6][7][8][9][10][25] https://www.capgemini.com/de-de/2019/12/invent-upskilling/

[3] https://www.linguee.de/englisch-deutsch/uebersetzung/upskilling.html

[4][12][13][15][16][18] Klartext HR Podcast von Stefan Scheller
https://open.spotify.com/episode/5sqdxqrwixUy2ckIOqrZq6?si=3c70fae347b64f1c

[5][11][19][22][23] https://www.ag5.com/de/upskilling-zukunft-der-arbeit/#:~:text=Bei%20der%20Upskilling%20(H%C3%B6herqualifizierung)%20werden,eine%20andere%20T%C3%A4tigkeit%20aus%C3%BCben%20k%C3%B6nnen.

[14][17][29][21][24][26][27] https://www.elearning-journal.com/2020/12/15/upskilling-reskilling-in-einer-digitalen-welt/