Probearbeit – Ausbeutung oder Chance?

Der Bewerbungsprozess ist für Unternehmen sowie Bewerbende bekanntermaßen anstrengend und müßig. Zu viel Auswahl, zu viele Kriterien, zu viel Aufwand. Oft kommt es dann trotzdem vor, dass es am Ende mehr als nur ein passendes Gegenstück gibt. Auf dem Papier wirken beide Bewerbende ideal – doch passt auch die Persönlichkeit ins Unternehmen und ins Team? Oft greifen Unternehmen in diesem Fall auf die allseits bekannte, jedoch umstrittene Probearbeit zurück, um Informationen über das Verhalten im Arbeitsalltag sowie die Sozialkompetenz herauszufinden. Doch was müssen Unternehmen beim Probearbeiten beachten? Welche Vorteile hat Probearbeiten? Wie sieht die gesetzliche Lage aus und wie sind Probearbeitende versichert?

PROBEARBEIT DEFINITION:

Gut und gerne wird Probearbeit auch als „Generalprobe der Zusammenarbeit“ beschrieben. Doch was genau ist Probearbeiten und was sollte seitens der Unternehmen beachtet werden?

Zuallererst muss verdeutlicht werden, dass das Probearbeiten nicht mit der Probezeit gleichzustellen oder zu verwechseln ist1. Die Probezeit bezieht sich auf den Zeitraum nach Abschluss eines Arbeitsverhältnisses, wo Mitarbeitende ihre Leistungen und ihr Vertrauen unter Beweis stellen. Die Probearbeit bezieht sich hingegen auf einen vereinbarten Zeitraum, welcher als „Schnuppertag“ im Unternehmen dienen soll, ohne dass man vertraglich aneinander gebunden ist.

Das Probearbeiten ist nämlich keinesfalls ein Arbeitsverhältnis, sondern wird als Einfühlungsverhältnis beschrieben, welches dazu dienen soll, sich gegenseitig besser kennenzulernen2. Meist wird ein Zeitraum vereinbart, in welchem Bewerbende das Unternehmen besuchen, um Arbeitsabläufe näher beurteilen zu können – und andersherum. Meist handelt es sich dabei um mehrere Tage. Der Probearbeit Dauer ist dabei gesetzlich keine Obergrenze gesetzt, jedoch sollte der Zeitraum nicht länger als drei bis fünf Tage betragen3.  In vielen Branchen handelt es sich sogar lediglich um ein paar Stunden, welche zu einem persönlichen Eindruck führen sollen. Zu beachten ist hier, dass auch die Pausenregelungen einzuhalten sind.

Ebenfalls ist es wichtig zu wissen, dass Unternehmen während des Probearbeitens kein Weisungsrecht beziehungsweise Direktionsrecht besitzen. Ihnen steht lediglich das Hausrecht zu. Übersetzt bedeutet das: Bewerbende dürfen keine genauen Anweisungen zur Ausübung einer Tätigkeit bekommen und dürfen im Gegenzug ausschließlich die Bereiche des Unternehmens betreten, die für die zukünftige Ausübung des Berufs relevant sind oder wozu sie eine ausdrückliche Berechtigung erhalten haben.

DIE VORTEILE VON PROBEARBEIT:4

  • Persönliches Kennenlernen des Teams
  • Gegenseitige Sympathie testen
  • Generelle Arbeitsweise/-motivation analysieren
  • Sozialkompetenz überprüfen
  • Bauchgefühl kontrollieren
  • Erste Einblicke in Abläufe erhalten

GESETZLICHE RICHTLINIEN BEI PROBEARBEITEN5

Folgende Fragen bezüglich des Probearbeitens kommen wiederholt auf und bedürfen einer Erklärung:

1.Wird Probearbeiten bezahlt?6         

Entsteht ein Austausch von geleisteter Arbeit und entgeltlicher Bezahlung, wird automatisch ein Arbeitsverhältnis eingeleitet7 – so auch beim Probearbeiten, wenn es nicht anders festgehalten wird. Sollte eine entgeltliche Vergütung ausgemacht werden, so muss schriftlich vereinbart werden, dass es sich nicht um vergütete Arbeitsleistung handelt, sondern lediglich um eine Aufwandsentschädigung8. Bewerbende haben hier keinen Anspruch auf den gesetzlich geltenden Mindestlohn.

Generell ist das Zahlen einer Aufwandsentschädigung freiwillig und die Entscheidung obliegt dem jeweiligen Unternehmen. Oft entscheiden sich Unternehmen dazu, die Fahrtkosten oder die Verpflegung während eines Probearbeitstages zu entschädigen.

2. Was darf ein Unternehmen bei Probearbeiten nicht? 9 10 11

  • Bestimmte Arbeitszeiten vorgeben. Bewerbende müssen sich weder an einen vorhandenen Dienstplan halten, noch dürfen sie exakte Zeiten vom Unternehmen vorgegeben bekommen, an denen sie anwesend sein müssen12.
  • Ausübung von Tätigkeiten verlangen. Unternehmen haben, wie bereits erwähnt, kein Weisungsrecht gegenüber Bewerbenden und dürfen daher keine Aufgaben vorgeben, die zu erledigen sind. Bewerbende dürfen selbst entscheiden, welche Aufgaben sie erledigen möchten und wie groß ihr Anteil an vorhandenen Abläufen ist. Wie sehr sie der Belegschaft also an einem Probearbeitstag unter die Arme greifen wollen, bleibt ihnen überlassen.
  • Wertschöpfende Aufgaben vergeben. Sobald Bewerbende Aufgaben erledigen, die einen wirtschaftlichen Gewinn für das Unternehmen implizieren, muss der Aufwand so entgeltlich bezahlt werden, als hätte eine Person der Belegschaft diese Aufgabe erledigt. Nimmt man beispielsweise das Exempel einer Pflegekraft im Krankenhaus, die aktiv mit Patienten an ihrem Probearbeitstag arbeitet und tatkräftig mithilft, so muss sie so entlohnt werden, wie eine bereits angestellte Pflegekraft es bei gleicher Arbeit würde. Schaut die angehende Pflegekraft nur zu, so entfällt die Aufwandsentschädigung.
    Achtung: Hier muss schriftlich festgehalten werden, dass mit der entgeltlichen Zahlung nicht automatisch ein Arbeitsverhältnis eingeleitet wird.
  • Dienstkleidung vorgeben. Probearbeitende müssen sich nicht an einen herrschenden Dresscode halten, geschweige denn die Dienstkleidung an ihrem Probearbeitstag anziehen.

3. Kann man ein Probearbeiten abbrechen?

Die einfache Antwort lautet: Ja! Probearbeitende dürfen selbst bestimmen, wann sie erscheinen wollen und wie lange sie bleiben möchten – der Aufenthalt ist vollkommen freiwillig und unverbindlich. Das Gleiche gilt natürlich auch für Unternehmen. Ein vorzeitiger Abbruch eines Probearbeitstages lässt jedoch meist nicht auf positive Zukunft in diesem Unternehmen hoffen.

AUFGABEN BEIM PROBEARBEITEN:13

Generell lässt sich nochmals festhalten, dass Probearbeitende nur zuschauen sollen, um einen näheren Einblick in das Unternehmen zu erhalten – sie sollen nicht aktiv am Geschehen im Unternehmen teilnehmen. Das Verhindern der Übernahme wichtiger Aufgaben dient dazu, Bewerbende vor der Ausbeutung als günstige Arbeitskraft zu schützen. Entscheiden sich Probearbeitende jedoch dazu, der Belegschaft unter die Arme zu greifen, so ist das ihr gutes Recht.

PROBEARBEITEN: VERSICHERUNG & ARBEITSAMT14

Auch die Bewerbenden müssen beim Probearbeiten verschiedene Richtlinien einhalten, um sich im gesetzlichen Rahmen zu bewegen. Warum muss man dem Arbeitsamt ein Probearbeiten mitteilen? Diese Frage bezieht sich ausschließlich auf Probearbeitende, die staatliche Leistungen beziehen. Ist dies der Fall, so muss eine Genehmigung für ein Einfühlungsverhältnis vorab eingeholt werden – man spricht davon, das Probearbeiten anzumelden15. Bewerbende sind in einem solchen Verhältnis nicht sozialversicherungspflichtig, wodurch bei verursachten Schäden die private Haftpflichtversicherung greift.

Entsteht ein Unfall, bei dem die Bewerbenden zu Schaden kommen, so ist meist eine private Unfallversicherung sinnvoll, da die gesetzliche Unfallversicherung nur bei einem vorhandenen Arbeitsverhältnis zahlungspflichtig ist. Dies ist ein weiterer Grund dafür, warum Probearbeitende lediglich als Zuschauer im Unternehmen agieren sollen.

NACH DEM PROBEARBEITEN:16

Unternehmen fragen sich oft: Wann darf man Bewerbenden absagen? Diese Frage ist jedoch leicht zu beantworten, da ein Einfühlungsverhältnis unverbindlich für beide Parteien ist. Hat ein Unternehmen also das Gefühl, die Bewerbenden passen nicht ins Unternehmen, so kann zu jedem Zeitpunkt eine Absage erteilt werden.

Rückmeldungen nach Probearbeiten sollten idealerweise zeitnah, professionell und freundlich gehalten werden – schließlich möchte man seiner eigenen Employer Brand nicht mit einem unfreundlichen Image schaden.

Für kommende Probearbeitstage sollte somit das Wichtigste geklärt sein!

QUELLEN

[1][11] https://www.arbeitsrechte.de/probearbeiten/

[2][3][8][10][15] https://arbeits-abc.de/probearbeit/

[4][5][6][7][9][12][13][14][16] https://www.personio.de/hr-lexikon/probearbeiten/#1